18.07.17 12:08

Gender Pay Gap - Ein strukturelles Problem oder Diskriminierung?

Kategorie: DICE-Meldung, RStartseite

Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern betrug im vergangenen Jahr durchschnittlich 21 Prozent. Oft werden hierfür strukturelle Gründe angeführt. So arbeiten weibliche Arbeitnehmer öfter in Teilzeit, sind seltener in Führungspositionen vertreten, oder wählen Berufsfelder, die schlechter entlohnt werden. Eine Studie des DICE zeigt nun, dass auch Diskriminierung eine Rolle spielt.

Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen nimmt nicht zuletzt durch die bevorstehende Bundestagswahl in den Parteiprogrammen und der öffentlichen Debatte eine prominente Position ein. Maßnahmen wie das neue Lohngerechtigkeitsgesetz als auch Frauenquoten in Führungspositionen werden als Lösung des Phänomens diskutiert. Begründet sind diese in einem immer noch beträchtlichen Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern. So haben weibliche Arbeitnehmer im vergangenen Jahr durchschnittlich 21% weniger verdient als ihre männlichen Kollegen.

Das Statistische Bundesamt sieht vor allem strukturelle Gründe als Treiber dieses Effekts. Berücksichtigt man diese strukturellen Unterschiede in den Beschäftigungsverhältnissen (z.B. Berufswahl, Qualifikation, Teilzeit, Schwangerschaftsunterbrechungen) lässt sich in der Tat ein großer Teil des „Pay Gaps“ erklären, dieser bereinigte Lohnunterschied ist jedoch keinesfalls null. Eine Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz liegt also nahe.

Eine Vielzahl von ökonomischen Studien hat bereits gezeigt, dass es große Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt hinsichtlich ihrer Wettbewerbsbereitschaft. So zeigt sich, dass Frauen eher dazu neigen, den Wettbewerben mit anderen scheuen, während Männer oft auch dann noch den Wettbewerb suchen, wenn sie anderen von den Fähigkeiten her unterlegen sind. In der Forschung wird argumentiert, dass diese geschlechterspezifischen Wettbewerbspräferenzen Teile des Gender Pay Gaps erklären könnten. Bisherige Studien haben in diesem Zusammenhang jedoch die Rolle des Arbeitgebers als mögliche Quelle von Diskriminierung vernachlässigt. 

In einer experimentellen Studie haben DICE- Forscher nun genau diese Forschungslücke geschlossen und untersucht wie Probanden in der Rolle des Arbeitgebers die Arbeitsleistung von Männern und Frauen entlohnen unter Berücksichtigung ihrer Wettbewerbsneigung. Die obenstehende Grafik gibt einen Überblick über das Hauptergebnis der Studie. Die Darstellung zeigt den prozentualen Betrag, welcher nach der Wahl der Entlohnungsart (Stücklohn – sicher,
Turnier–Wettbewerb) an die Arbeitnehmer ausgezahlt wurde.

Die Resultate zeigen deutliche Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern auf – aber nur dann, wenn sich Arbeitnehmer/innen gegen Wettbewerb am Arbeitsplatz entschieden haben. So zahlten Arbeitgeber hier im Schnitt lediglich 18% des erwirtschaften Betrages als Entlohnung. Männliche Arbeitnehmer erhielten dagegen eine deutliche höhere Entlohnung, nämlich etwa 36%. Die Vergütung der Männer war also insgesamt nahezu doppelt so hoch wie die Vergütung der Frauen. Das Ergebnis ist also ein Einkommensunterschied, der auf die Diskriminierung von Arbeitnehmerinnen, die sich gegen Wettbewerb mit anderen Probanden entschieden, durch den Arbeitgeber zurückzuführen war. Interessanterweise gab es keine Einkommensunterschiede, wenn sich Arbeitnehmer/innen für Wettbewerb am Arbeitsplatz entschieden. Wie die Abbildung zeigt, erhalten sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitnehmerinnen in diesem Fall ca. 30% des erwirtschaften Einkommens. Die Forscher folgern, dass die Diskriminierung von Arbeitnehmerinnen scheinbar durch geschlechterspezifisches stereotypisches Denken seitens der Arbeitgeber getrieben wurde.

Ob neue politische Maßnahmenpakete wie das Gesetz zur Lohngerechtigkeit jedoch in der Lage sind die ermittelten Ursachen für individuelle, nicht-strukturelle Lohndiskriminierung abzubauen bleibt abzuwarten._Niklas Fourberg

 

In diesem Beitrag erwähnte DICE Studien:

Matthias Heinz, Hans-Theo Normann & Holger A. Rau (2016), How Competitiveness May Cause a Gender Wage Gap: Experimental Evidence, erschienen in: European Economic Review, 90, pp. 336-349, online verfügbar als  undefinedDICE Discussion Paper No 213.

Einen ausführlicheren Beitrag hierzu finden sie auch in unserem undefinedDICE Policy Brief #9.

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