Am DICE untersuchen wir aktuelle Fragen rund um Wettbewerb, Regulierung und das Verhalten von Unternehmen und Verbraucherinnen und Verbrauchern. Unsere Forschungsprojekte verbinden theoretische und empirische Ansätze und werden unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und weiteren öffentlichen Einrichtungen gefördert.
Aktuelle Projekte
Das zweijährige Forschungsprojekt von Prof. Dr. Mehmet Karaçuka, an dem auch Prof. Dr. Justus Haucap beteiligt ist, untersucht die Zusammenhänge zwischen Digitalisierung, informeller Wirtschaft und Steueraufkommen in Subsahara-Afrika. Ziel ist es, politische Maßnahmen zu entwickeln, die eine nachhaltige und gerechte Formalisierung wirtschaftlicher Tätigkeiten fördern.
Projektbeschreibung:
Die informelle Wirtschaft ist für viele Menschen in Subsahara-Afrika die einzige verfügbare Einkommensquelle. Gleichzeitig erschwert ein großer informeller Sektor die Erhebung von Steuern und begrenzt damit die Möglichkeiten der Regierungen, öffentliche Dienstleistungen bereitzustellen und Armut zu bekämpfen.
Mithilfe länderübergreifender Paneldaten untersucht das Projekt, wie digitale Technologien – beispielsweise mobile Zahlungssysteme und digitale Marktplätze – informelle Tätigkeiten, Formalisierungsprozesse und das Steueraufkommen beeinflussen. Analysiert werden unter anderem eine höhere Transparenz, geringere Befolgungskosten und eine effizientere Steuerverwaltung.
Darüber hinaus berücksichtigt das Projekt mögliche Hindernisse und Risiken wie die digitale Kluft, regulatorische Einschränkungen und einen ungleichen Zugang zu digitalen Technologien. Auf dieser Grundlage sollen Empfehlungen entwickelt werden, wie Digitalisierung zur Erweiterung der Steuerbasis, zur Verringerung geschlechtsspezifischer Ungleichheiten und zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung beitragen kann.
Stipendiat/Projektleitung:
Prof. Dr. Mehmet Karaçuka
Weiterer beteiligter Wissenschaftler:
Prof. Dr. Justus Haucap
Förderung: Meyer-Struckmann-Stipendium
Projektdauer: 2025-2027
Das von Prof. Dr. Christian Wey (DICE, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) und Prof. Dr. Markus Dertwinkel-Kalt (Universität Münster) gemeinsam eingeworbene Projekt wurde im August 2026 von der DFG bewilligt. Es untersucht, wie sich aktuelle deutsche und europäische Energie- und Klimapolitikmaßnahmen auf Unternehmen, Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Märkte auswirken.
Projektbeschreibung:
Der Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft stellt Deutschland und die Europäische Union vor die Herausforderung, Klimaziele mit internationaler Wettbewerbsfähigkeit, bezahlbarer Energie und gesellschaftlicher Akzeptanz zu verbinden. Das Projekt untersucht sowohl die beabsichtigten Wirkungen als auch mögliche unbeabsichtigte Folgen aktueller energie- und klimapolitischer Maßnahmen. Die Forschung gliedert sich in vier Teilprojekte:
Teilprojekt A untersucht die europäischen Emissionsvorgaben für Automobilhersteller aus mikroökonomischer Perspektive und legt das Hauptaugenmerk auf die Wirkungen von Pooling-Vereinbarungen.
Teilprojekt B analysiert die Anreizwirkungen von Kaufprämien für Elektrofahrzeuge und vergleicht diese mit alternativen Instrumenten wie einkommensabhängigen Förderungen oder Abwrackprämien.
Teilprojekt C widmet sich der Analyse des Industriestrompreises. Dabei wird untersucht, ob diese Förderung Produktionsverlagerungen verhindert und Investitionen in klimafreundliche Technologien begünstigt – oder ob sie langfristige Subventionsabhängigkeiten schafft, Investitionsanreize schwächt und unerwartet hohe fiskalische Kosten verursacht.
Schließlich rundet Teilprojekt D das Gesamtprojekt mit einem experimentellen Ansatz ab. Im Fokus steht dabei das Verständnis und die Bewertung energie- und klimapolitischer Maßnahmen durch die Bevölkerung. Die Ergebnisse aus Befragungs- und Entscheidungsexperimenten liefern somit wichtige Erkenntnisse für ein ganzheitliches Verständnis von Verhaltens- und Marktreaktionen.
Projektleitung: Prof. Dr. Christian Wey und Prof. Dr. Markus Dertwinkel-Kalt
Beteiligte Institutionen: DICE/Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Universität Münster
Laufzeit: drei Jahre
DFG Research Unit
Das von Prof. Dr. Andreas Grunewald und Prof. Dr. Paul Heidhues eingeworbene Projekt wird seit 2023 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Es untersucht die Auswirkungen von Konsumentägheit auf Unternehmensstrategien und Marktergebnisse sowie die Wirksamkeit verschiedener Regulierungsmaßnahmen in Offline- und Onlinemärkten.
Projektbeschreibung:
Konsument wechseln bestehende Verträge oft nicht, obwohl sie dadurch erhebliche Vorteile erzielen könnten. Das Projekt entwickelt dynamische Marktmodelle, um die Ursachen dieses Verhaltens und die Reaktionen der Unternehmen zu untersuchen. Dabei werden unter anderem technologische Entwicklungen, Vertragsgestaltung, Lernprozesse und Verbraucherschutz berücksichtigt.
Darüber hinaus wird empirisch analysiert, wie Unternehmen das Kaufverhalten durch die Gestaltung ihrer Websites beeinflussen. Hierfür werden experimentelle Messungen von Verbraucher und -präferenzen mit Cookie-Daten kombiniert. Die Ergebnisse dienen anschließend dazu, aktuelle Fragen zum Online-Verbraucher und zur Regulierung großer digitaler Plattformen zu untersuchen.
Antragsteller:
Prof. Dr. Andreas Grunewald, Frankfurt School of Finance & Management
Prof. Dr. Paul Heidhues, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Förderzeitraum: seit 2023
Rahmenprojekt: FOR 5392 „Konsumentäferenzen, Konsument und Unternehmensantwort“
Das von Prof. Dr. Markus Dertwinkel-Kalt und André Romahn, Ph.D., eingeworbene Projekt wird seit 2023 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Es untersucht, wie Finanzunternehmen die begrenzte Aufmerksamkeit von Kleinanlegern bei der Gestaltung und Vermarktung von Finanzprodukten ausnutzen können.
Projektbeschreibung:
Kleinanleger können bei ihren Anlageentscheidungen häufig nicht alle verfügbaren Informationen berücksichtigen. Das Projekt untersucht, wie die Bezeichnung und Positionierung von Finanzprodukten, die Wahl von Referenzindizes und die hervorgehobene Vermarktung bestimmter Anlagestrategien ihre Entscheidungen beeinflussen.
Mithilfe von Experimenten, Feld- und Marktdaten sowie strukturellen Modellen wird analysiert, ob Unternehmen solche Salienzeffekte gezielt einsetzen, um Produkte attraktiver erscheinen zu lassen und ihre Gewinnmargen zu erhöhen. Darüber hinaus untersucht das Projekt, wie eine Einschränkung von Nischenindizes und die stärkere Berücksichtigung relevanter Informationen die Wohlfahrt der Anleger sowie die Gewinne von Fonds- und Indexanbietern beeinflussen könnten.
Antragsteller:
Prof. Dr. Markus Dertwinkel-Kalt, Universität Münster
André Romahn, Ph.D., Universität Hamburg
Projektverantwortliche Person:
Dr. Simon Martin, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Förderzeitraum: seit 2023
Rahmenprojekt: FOR 5392 „Konsumentäferenzen, Konsument und Unternehmensantwort“
Das von Prof. Dr. Markus Dertwinkel-Kalt und Prof. Dr. Hans-Theo Normann eingeworbene Projekt wird seit 2023 durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Es untersucht, wie Unternehmen die begrenzte und ungerichtete Aufmerksamkeit von Konsument strategisch nutzen.
Projektbeschreibung:
Bei wirtschaftlichen Entscheidungen können Konsument häufig nicht alle verfügbaren Informationen verarbeiten. Ihre Aufmerksamkeit wird daher teilweise automatisch auf besonders auffällige Merkmale gelenkt. Das Projekt untersucht dieses Verhalten am Beispiel von Lootboxen in Videospielen, bei denen Nutzer gegen Bezahlung zufällige virtuelle Belohnungen erhalten.
In Labor- und Feldexperimenten wird analysiert, welche Gestaltungsmerkmale von Lootboxen die Zahlungsbereitschaft erhöhen und inwiefern Unternehmen diese gezielt einsetzen. Außerdem untersucht das Projekt, ob Transparenzvorschriften und stärkerer Wettbewerb mögliche Nachteile für Konsument verringern können.
Projektleitung:
Prof. Dr. Markus Dertwinkel-Kalt, Universität Münster
Prof. Dr. Hans-Theo Normann, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Förderzeitraum: seit 2023
Rahmenprojekt: FOR 5392 „Konsumentäferenzen, Konsument und Unternehmensantwort“
Das von Prof. Dr. Paul Heidhues und Prof. Dr. Andreas Grunewald eingeworbene Projekt wird seit 2023 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Es untersucht, wie Konsument ihre begrenzte Aufmerksamkeit einsetzen und wie Unternehmen sowie verbraucherschützende Maßnahmen darauf reagieren.
Projektbeschreibung:
Konsument können nicht allen Produkten, Preisen und Vertragsbedingungen die gleiche Aufmerksamkeit widmen. Das Projekt untersucht mithilfe von Experimenten und theoretischen Modellen, wie sie ihre Aufmerksamkeit auf verschiedene Tätigkeiten verteilen und wie verbraucherschützende Maßnahmen diese Entscheidungen beeinflussen.
Darüber hinaus wird analysiert, wie Unternehmen strategisch auf begrenzte Aufmerksamkeit reagieren. Ergänzend sollen Felddaten zeigen, ob Unternehmen weniger aufmerksame Konsument oder Personen mit geringeren kognitiven Fähigkeiten gezielt benachteiligen. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Formen des Verbraucherschutzes besser zu verstehen.
Projektleitung:
Prof. Dr. Paul Heidhues, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Prof. Dr. Andreas Grunewald, Frankfurt School of Finance & Management
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Förderzeitraum: seit 2023
Rahmenprojekt: FOR 5392 „Konsumentäferenzen, Konsument und Unternehmensantwort“
Das von Dr. André Romahn eingeworbene Projekt wird seit 2023 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Unter Beteiligung von Prof. Dr. Christine Zulehner (Universität Wien) untersucht das Teilprojekt der Forschungsgruppe FOR 5392, wie unvollständige Information und begrenzte Aufmerksamkeit die Kaufentscheidungen von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie die Strategien von Unternehmen beeinflussen.
Projektbeschreibung
Verbraucherinnen und Verbraucher treffen Kaufentscheidungen häufig, ohne vollständig über alle verfügbaren Produkte informiert zu sein. Das Projekt entwickelt ein strukturelles Nachfragemodell, das berücksichtigt, dass sich Menschen sowohl hinsichtlich ihrer Präferenzen als auch ihres Informationsstands unterscheiden. Ziel ist es, zu schätzen, welche Produkte einzelne Verbraucher bei ihrer Entscheidung tatsächlich berücksichtigen.
Die Identifikation basiert auf beobachteten Substitutionsmustern zwischen Produkten. Wenn Verbraucher beim Wegfall eines Produkts asymmetrisch auf andere Angebote ausweichen, kann dies darauf hindeuten, dass sie nicht alle verfügbaren Alternativen kennen oder beachten. Anhand dieser Muster werden individuelle Betrachtungswahrscheinlichkeiten für einzelne Produkte geschätzt.
Der Ansatz erlaubt zugleich, dass Preise, Produkteigenschaften und Marketingmaßnahmen sowohl den wahrgenommenen Nutzen als auch die Aufmerksamkeit der Verbraucher beeinflussen. Dadurch entsteht ein flexibleres und realistischeres Modell der Konsumentennachfrage.
Das Modell wird mithilfe umfangreicher Kilts-Nielsen-Daten zu zahlreichen Kategorien der US-amerikanischen Konsumgüterindustrie empirisch angewendet. Untersucht wird unter anderem, ob Unternehmen ihre Profitabilität durch die gezielte Lenkung von Aufmerksamkeit erhöhen und wie sich dieses Verhalten auf Preisaufschläge und die Folgen horizontaler Unternehmenszusammenschlüsse auswirkt. Die Ergebnisse sind daher auch für Wettbewerbspolitik und Fusionskontrolle relevant.
Projektleitung: Dr. André Romahn
Weitere Projektbeteiligte: Prof. Dr. Christine Zulehner
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Teilprojekt 3 der Forschungsgruppe FOR 5392
Förderzeitraum: seit 2023
Das von Prof. Dr. Florian Heiß (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) eingeworbene Projekt wird seit 2023 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Als Teilprojekt der Forschungsgruppe FOR 5392 untersucht es mithilfe großer Verbraucherpanel-Datensätze und Methoden des maschinellen Lernens, wie Markentreue, Trägheit und andere Abweichungen von vollständig rationalem Verhalten alltägliche Kaufentscheidungen beeinflussen.
Projektbeschreibung
Klassische Entscheidungsmodelle gehen häufig davon aus, dass Verbraucherinnen und Verbraucher alle verfügbaren Alternativen sorgfältig vergleichen. Tatsächlich werden Kaufentscheidungen jedoch oftmals durch Gewohnheiten, Markentreue, frühere Entscheidungen und eine begrenzte Informationsverarbeitung geprägt. Diese Verhaltensmuster beeinflussen nicht nur die Nachfrage, sondern auch die Preis- und Produktstrategien von Herstellern und Einzelhändlern.
Bisherige Studien konzentrieren sich meist auf einzelne Produktkategorien. Dieses Projekt betrachtet dagegen zahlreiche miteinander verbundene Kaufentscheidungen eines Haushalts gleichzeitig. Mithilfe von Methoden des maschinellen Lernens wird die Nachfrage über verschiedene Produktkategorien hinweg modelliert. Dadurch kann beispielsweise untersucht werden, ob die beim Kauf von Lebensmitteln beobachtete Markentreue auch Entscheidungen in anderen Produktgruppen vorhersagt.
Grundlage der Analyse ist ein umfangreicher Verbraucherpanel-Datensatz von Nielsen. Das Projekt untersucht, wie sich Markentreue und Trägheit zwischen Personen unterscheiden, ob sie über Produktkategorien hinweg stabil sind und wie Werbung, Produktverfügbarkeit oder Bündelungsstrategien zukünftige Entscheidungen beeinflussen.
Die entwickelten Methoden und Erkenntnisse werden anschließend genutzt, um das strategische Verhalten von Herstellern und Einzelhändlern auf konzentrierten Märkten sowie mögliche Konsequenzen für Wettbewerbspolitik und Regulierung zu analysieren.
Projektleitung: Prof. Dr. Florian Heiß
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Teilprojekt 2 der Forschungsgruppe FOR 5392
Förderzeitraum: seit 2023
Das von Prof. Dr. Sebastian Ebert (Universität Heidelberg) und Prof. Dr. Hannah Schildberg-Hörisch (DICE, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) gemeinsam eingeworbene Projekt wird seit 2023 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Als Teilprojekt der Forschungsgruppe FOR 5392 untersucht es die Ursachen, Stabilität und Verhaltensfolgen von Zeitinkonsistenz und mangelnder Selbstkontrolle.
Projektbeschreibung
Menschen handeln nicht immer so, wie sie es ursprünglich geplant haben. Obwohl sich ihre Entscheidungssituation nicht verändert hat, können sie langfristige Ziele zugunsten kurzfristiger Vorteile aufgeben. Dieses als Zeitinkonsistenz bezeichnete Verhalten spielt eine zentrale Rolle für das Verständnis von Zeitpräferenzen und Selbstkontrollproblemen.
Das Projekt entwickelt neue Instrumente zur Messung von Zeitpräferenzen und untersucht, wie gut Menschen ihre eigenen zukünftigen Entscheidungen und möglichen Selbstkontrollprobleme einschätzen können. Dabei werden die theoretischen Ursachen von Zeitinkonsistenz, ihre empirische Stabilität und ihre Auswirkungen auf individuelles Verhalten analysiert.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, ob Selbstkontrolle als ein einheitliches Merkmal verstanden werden kann oder verschiedene, nur teilweise miteinander verbundene Fähigkeiten umfasst. Dazu werden Selbstkontrollmaße aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen systematisch zusammengeführt und hinsichtlich ihrer konvergenten Validität verglichen.
Das Projekt verbindet axiomatische und angewandte Theorie mit ökonometrischen Methoden und empirischen Analysen. Die Ergebnisse sollen neue Grundlagen für die verhaltensökonomische Forschung zu Zeitpräferenzen, Selbstkontrolle und individuellem Entscheidungsverhalten schaffen.
Projektleitung: Prof. Dr. Sebastian Ebert und Prof. Dr. Hannah Schildberg-Hörisch
Weitere Projektbeteiligte: Prof. Deborah Cobb-Clark, Wei Wei und Prof. Xunyu Zhou
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Teilprojekt der Forschungsgruppe FOR 5392
Förderzeitraum: seit 2023
Das von Prof. Dr. Ulrike Neyer (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) geleitete und von der Deutschen Bundesbank finanzierte Projekt untersucht, wie sich Unterschiede zwischen Haushalten auf die Wirkung geldpolitischer Maßnahmen im Euroraum auswirken. Am Projekt sind außerdem Daniel Stempel und Alexandra Stevens beteiligt.
Projektbeschreibung
Herkömmliche neu-keynesianische Modelle untersuchen die Auswirkungen geldpolitischer Maßnahmen auf Produktion, Beschäftigung und Preise häufig unter der Annahme eines repräsentativen Haushalts. Tatsächlich unterscheiden sich Haushalte jedoch erheblich hinsichtlich ihres Einkommens, Vermögens, Alters, ihrer Geschlechterzusammensetzung und ihres Konsumverhaltens. Dadurch können sie unterschiedlichen individuellen Inflationsraten ausgesetzt sein und verschieden auf geldpolitische Maßnahmen reagieren.
Um diese Unterschiede abzubilden, verwendet das Projekt sogenannte HANK-Modelle – makroökonomische Modelle mit heterogenen Haushalten. Bestehende HANK-Modelle berücksichtigen vor allem Unterschiede bei Einkommen und Vermögen. Das Projekt erweitert diese Modelle um einkommens- und vermögensspezifische Konsumstrukturen sowie um unterschiedliche Inflationsraten der Haushalte.
Darüber hinaus werden soziodemografische Merkmale wie Alter und Geschlechterzusammensetzung einbezogen. Untersucht wird, wie sich diese Formen der Haushaltsheterogenität auf die Transmission geldpolitischer Maßnahmen auswirken. Die Ergebnisse sollen Erkenntnisse für die Ausgestaltung einer wirksamen Geldpolitik liefern und zugleich deren mögliche Verteilungseffekte sichtbar machen.
Projektleitung: Prof. Dr. Ulrike Neyer
Beteiligte Wissenschaftler: Daniel Stempel und Alexandra Stevens
Finanzierung: Deutsche Bundesbank
Förderzeitraum: 2024 - 2026
Vertical Integration, Mergers, And Global Engagement (VINTAGE)
Das von Prof. Dr. Katharina Erhardt und Prof. Dr. Joel Stiebale (DICE, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) gemeinsam eingeworbene Projekt VINTAGE untersucht, wie sich vertikale Fusionen und Übernahmen auf Unternehmensleistung, Preise, Marktmacht, Wettbewerb und Innovation auswirken. Das von der Fritz Thyssen Stiftung geförderte Projekt läuft vom 1. Oktober 2024 bis zum 30. September 2026.
Projektbeschreibung
Während sich die Wettbewerbspolitik traditionell vor allem mit horizontalen Zusammenschlüssen zwischen direkten Wettbewerbern beschäftigt, gewinnen vertikale Fusionen zwischen Unternehmen auf unterschiedlichen Stufen der Wertschöpfungskette zunehmend an Bedeutung. Bisherige Studien konzentrieren sich häufig auf einzelne Branchen. VINTAGE untersucht die Auswirkungen vertikaler Zusammenschlüsse dagegen über eine größere Zahl von Branchen und Ländern hinweg.
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob vertikale Fusionen die Effizienz von Unternehmen verbessern oder den Wettbewerb schwächen. Untersucht werden direkte und indirekte Auswirkungen auf Unternehmensleistung, Preise, Marktmacht und Wettbewerber. Darüber hinaus analysiert das Projekt die Rolle von Innovationen und vergleicht inländische mit grenzüberschreitenden Transaktionen.
Hierfür wird ein umfangreicher Datensatz genutzt, der Unternehmensbilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen, internationale Transaktionen sowie Beziehungen zu Lieferanten, Kunden und Wettbewerbern erfasst. Mithilfe moderner ökonometrischer Methoden untersucht das Projekt zunächst die Merkmale und Bestimmungsfaktoren vertikaler Fusionen. Anschließend werden ihre Auswirkungen auf die beteiligten Unternehmen und deren Wettbewerber sowie die Bedeutung globaler Produktions- und Kundennetzwerke analysiert.
Die Ergebnisse sollen zu einer fundierteren wettbewerbspolitischen Beurteilung vertikaler Fusionen beitragen und Entscheidungsträgern sowie Wettbewerbsbehörden neue Erkenntnisse liefern.
Projektleitung: Prof. Dr. Katharina Erhardt und Prof. Dr. Joel Stiebale
Förderung: Fritz Thyssen Stiftung
Laufzeit: 1. Oktober 2024 bis 30. September 2026
Das von Dr. Barbara Felderer (GESIS), Prof. Dr. Jannis Kück (DICE, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) und Prof. Dr. Martin Spindler (Universität Hamburg) gemeinsam eingeworbene Projekt wird seit 2024 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Es untersucht die Ursachen von Antwortausfällen in Panelumfragen und entwickelt neue Methoden, um daraus entstehende Verzerrungen zu reduzieren.
Projektbeschreibung
Antwortausfälle stellen eine große Herausforderung für die Qualität und Aussagekraft von Umfragedaten dar. Dies gilt insbesondere für Panelerhebungen, bei denen dieselben Personen wiederholt befragt werden und die Zahl der Teilnehmenden im Verlauf der Erhebung häufig abnimmt. Wenn bestimmte Bevölkerungsgruppen systematisch nicht mehr teilnehmen, können die Ergebnisse der Studie verzerrt werden.
Der erste Teil des Projekts untersucht anhand des GESIS Panels, wie Merkmale der Teilnehmenden und der Befragung die Teilnahme an späteren Erhebungswellen beeinflussen. Dabei wird analysiert, ob sich die Ursachen von Antwortausfällen im Zeitverlauf verändern und ob sich die Ergebnisse auf andere Panelstudien übertragen lassen. Aufgrund der großen Zahl möglicher Einflussfaktoren kommen Methoden des maschinellen Lernens und des Double Machine Learning zum Einsatz. Diese Verfahren werden für die Analyse dynamischer und heterogener Effekte in Paneldaten weiterentwickelt und als frei verfügbare R- und Python-Pakete veröffentlicht.
Der zweite Teil untersucht, ob Maßnahmen wie zusätzliche finanzielle Anreize, Erinnerungen per SMS oder E-Mail und Zusammenfassungen bisheriger Studienergebnisse die Teilnahmebereitschaft erhöhen. Darüber hinaus wird ein zielgerichteter Ansatz entwickelt, mit dem Interventionen so verteilt werden können, dass Unterschiede im Teilnahmeverhalten möglichst wirksam reduziert werden.
Projektleitung: Dr. Barbara Felderer, Prof. Dr. Jannis Kück und Prof. Dr. Martin Spindler
Beteiligte Institutionen: GESIS, DICE/Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Universität Hamburg
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Förderzeitraum: seit 2024
Schumpeter Calling – Innovationsverhalten von Unternehmen in Zeiten erhöhten Wettbewerbs (DFG)
Das von Prof. Dr. Katharina Erhardt (DICE, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) eingeworbene und seit 2023 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt untersucht, wie Unternehmen ihr Innovationsverhalten an einen zunehmenden Wettbewerbsdruck anpassen. Als natürliches Experiment dient die unerwartete Aufwertung des Schweizer Frankens im Januar 2015.
Projektbeschreibung
Wettbewerb gilt häufig als wichtiger Treiber von Wachstum und Innovation. Gleichzeitig ist nicht eindeutig, ob ein stärkerer Wettbewerbsdruck Unternehmen tatsächlich zu mehr Innovationen veranlasst oder ob größere Unternehmen in konzentrierten Märkten bessere Voraussetzungen für Innovation besitzen.
Das Projekt nutzt die plötzliche Aufwertung des Schweizer Frankens im Januar 2015, durch die Schweizer Unternehmen unerwartet einem stärkeren internationalen Wettbewerbsdruck ausgesetzt wurden. Dieser Wechselkursschock ermöglicht es, die kausalen Auswirkungen eines zunehmenden Wettbewerbs auf das Innovationsverhalten einzelner Unternehmen zu untersuchen.
Dabei wird Innovation umfassend verstanden. Neben traditionellen Indikatoren wie Forschungs- und Entwicklungsausgaben und Patenten berücksichtigt das Projekt auch Veränderungen in Lieferketten, Marktzugangsstrategien und Unternehmensstrukturen. Schweizer Außenhandelsdaten werden hierfür mit Investitions- und Innovationsbefragungen, Daten zu Unternehmensverflechtungen sowie Patentdaten kombiniert.
Ziel ist es, Unterschiede in den Reaktionen von Unternehmen und Branchen zu erklären und langfristige Auswirkungen ihrer Anpassungsstrategien zu bestimmen. Die Ergebnisse sollen zu einem besseren Verständnis der Beziehung zwischen Wettbewerb, Innovation, Wirtschaftswachstum und gesellschaftlicher Wohlfahrt beitragen und Anhaltspunkte für eine wirksame Innovationspolitik liefern.
Projektleitung: Prof. Dr. Katharina Erhardt
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Förderzeitraum: seit 2023
Producer and Retailer Markets Organization (PARETO)
Das von Prof. Dr. Joel Stiebale (DICE, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) und Prof. Dr. Biliana Yontcheva (Universität Hamburg) gemeinsam mit französischen Projektpartnern eingeworbene ANR-DFG-Projekt PARETO untersucht, wie die Organisation von Produzenten- und Einzelhandelsmärkten Preise, Marktmacht und die Auswirkungen von Inflation beeinflusst. Das Projekt läuft von September 2024 bis August 2027.
Projektbeschreibung
Insbesondere auf Lebensmittel- und Einzelhandelsmärkten sind Verbraucherinnen und Verbraucher mit erheblichen Preissteigerungen konfrontiert. Diese können durch externe Ereignisse wie die COVID-19-Pandemie, steigende Energiekosten oder internationale Konflikte verursacht werden, aber auch durch Regulierung und die Ausübung von Marktmacht entlang der Produktions- und Vertriebskette entstehen. PARETO untersucht, warum sich Preissteigerungen zwischen Ländern, Produktmärkten, Herstellern und Händlern unterscheiden.
Das Projekt gliedert sich in vier Forschungsbereiche. Zunächst wird analysiert, wie Kostenänderungen, etwa bei Energie oder Steuern, auf Hersteller- und Verbraucherpreise übertragen werden und welche Haushalte besonders stark von Inflation betroffen sind. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Marktmacht von Produzenten und Einzelhändlern sowie der Entwicklung ihrer Preisaufschläge.
Darüber hinaus entwickelt das Projekt neue Methoden zur Schätzung der Verbrauchernachfrage, die Mehrfachkäufe und Beziehungen zwischen verschiedenen Produktkategorien berücksichtigen. Schließlich wird untersucht, wie der Markteintritt und -austritt von Händlern und Produkten, das Wachstum des Onlinehandels sowie die zunehmende Bedeutung von Discountern Preise und Produktvielfalt beeinflussen.
Hierfür werden neue theoretische Ansätze mit länderübergreifenden Scanner- und Produktionsdaten aus 17 europäischen Ländern kombiniert. Die Ergebnisse sollen zu einem besseren Verständnis von Inflation und Marktmacht beitragen und als Grundlage für evidenzbasierte wirtschaftspolitische Empfehlungen dienen.
Projektleitung: Prof. Dr. Joel Stiebale, Prof. Dr. Biliana Yontcheva und Claire Chambolle
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und Agence nationale de la recherche (ANR)
Laufzeit: September 2024 bis August 2027